Chief Digital Officer: „Eierlegende Wollmilchsau“ oder „zahnloser Tiger“?

Donnerstag, 27. April 2017
Neue Berufsfeldstudie der Quadriga Hochschule Berlin

CEO, CIO, CDO – wer ist für die digitale Transformation in Unternehmen zuständig und bei wem liegt die Entscheidungshoheit über datenbasierte Geschäfts-Strategien, -Systeme und -Prozesse? Die Rolle des „Chief Digital Officer“ (CDO) wird in den letzten Jahren immer stärker  eingefordert und als neue Position in Unternehmen geschaffen. Doch ist die Rolle des CDO in der Realität wirklich mit einem klaren Verantwortungsbereich sowie strategischem und operativem Durchsetzungsvermögen versehen?

In der jetzt veröffentlichten Studie „Chief Digital Officer: Relevanz, Rolle und Roadmap“ ordnen Prof. Heinrich und Prof. Gärtner von der Quadriga Hochschule Berlin das Berufsfeld grundlegend. Neben Fragen der Erfolgswirkung werden auch Führungsstil, Persönlichkeit, Gehälter und Arbeitszufriedenheit der CDO analysiert.

Das Ergebnis scheint ernüchternd: Obwohl sich die Anzahl der Chief Digital Officer im Jahr 2017 auf etwa 350 Personen im DACH-Raum mehr als verdoppelt hat, kümmern sich in 50 Prozent der Fälle höchstens drei Mitarbeiter pro Unternehmen um die digitale Transformation. Gleichzeitig müssen sich CDOs um Vieles kümmern: von der Konzeption der Digitalstrategie über die kommunikative Verbreitung der digitalen Transformation in der gesamten Organisation bis hin zur bereichsübergreifenden Koordination der Digitalisierung von Prozessen.

„Für uns ist besonders interessant, dass mit dem CDO eine Position geschaffen wird, die das Thema digitale Transformation in den Unternehmen vorantreiben soll, aber gleichzeitig Ressourcen nur zögerlich bereitgestellt werden. 27 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Bereich nur als Stabsstelle organisiert sei und sie damit nicht genügend Ressourcen zur Verfügung haben, um auf Veränderungen entscheidend einwirken zu können“, erläutert Dr. Christian Gärtner, Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Digital Transformation & Leadership.

Bei über einem Drittel sei das Budget im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken oder gleichbleibend. Die eher knappe Ressourcenausstattung passt kaum zur Relevanz der Stelle.

Interessanterweise geben 82 Prozent der Teilnehmer an, zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem Job zu sein und das, obwohl sie gleichzeitig von einem hohen Stresslevel berichten. Eine Erklärung bietet der Blick auf die Persönlichkeitseigenschaften: emotionale Stabilität, also nicht nervös zu werden und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, ist unter den Teilnehmern weit verbreitet. Diese Eigenschaften sind stark mit Führungserfolg korreliert. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist Weiterbildung: Hier zeigen die Analysen eine positive Korrelation von Weiterbildung des CDO mit der Umsatz- und Gewinnentwicklung des Unternehmens.

In der Gesamtschau kommen die Forscher zu dem klaren Ergebnis, dass das Aufgabenspektrum meist noch sehr undifferenziert und dadurch überdimensioniert ist: eigentlich sollen CDOs die digitale Transformation quasi im Alleingang bewältigen. Gleichzeitig stehen aber kaum Personal oder Budgetmittel zur Verfügung, „... mit der Gefahr, dass aus der eierlegenden Wollmilchsau ein zahnloser Tiger ohne Entscheidungsmacht wird.“, so Prof. Dr. Christian Gärtner.

 

Sie können die gesamte Studie „Chief Digital Officer: Relevanz, Rolle und Roadmap“ kostenfrei online bestellen.

 

Foto: ThinkStock