Marketing Management Kongress 2017

Mittwoch, 22. November 2017
Interview mit Prof. Dr. Andrea Kindermann zur neuen Berufsfeldstudie

Wie arbeiten erfolgreiche Marketing-Abteilungen heute? Wie sind sie ins Unternehmen eingebunden? Was zeichnet ihre Führungskräfte aus? Diese Fragen greift die aktuelle Studie „Marketing Best Leadership & Organisation“ der Quadriga Hochschule Berlin auf, die auf dem Marketing Management Kongress 2017 von Prof. Dr. Andrea Kindermann, Professorin für Digitale Transformation, und Prof. Dr. René Seidenglanz, Vizepräsident und Professor für Kommunikationswissenschaft, vorgestellt wird.

 

Frau Prof. Dr. Kindermann, die Frage nach „Digital Readiness“ wird in der Berufsfeldstudie bewusst gestellt – ist das im Marketing im digitalen Zeitalter nicht schon längst überholt?

Digital Readiness bedeutet nicht, dass das Unternehmen digitale Kommunikationskanäle und Werbemittel nutzt – obwohl es selbst hier auch im Jahr 2017 in vielen Marketing-Teams noch Nachholbedarf gerade in Strategie und Konzeption gibt. Wir untersuchen vor allem, ob und wie digitale Technologien für Kollaboration und Prozessmanagement eingesetzt werden. In welchem Umfang setzt das Marketing zum Beispiel Algorithmen ein, um Analyse-, Entscheidungs- und Steuerungsprozesse zu automatisieren? Marketingkommunikation wirtschaftlich und dennoch individualisiert und schnell, idealerweise in Echtzeit, zu realisieren, ist ohne umfassende Automatisierung kaum möglich.

Wird das Marketing durch die sozialen Medien und Plattformen getrieben oder kurbelt die Schnelligkeit der digitalen Plattformen die Kreativität an?

Es gibt zwei Arten von Unternehmen: Solche, die versuchen, zu tun, was von ihnen erwartet wird. Für diese Unternehmen sind die sozialen Medien und die Schnelligkeit, mit der sie reagieren und agieren sollen, ganz sicher ein Stressfaktor. Und dann gibt es Unternehmen, die einen ausgeprägten Gestaltungswillen haben, und eine klare Vorstellung, wie sie gesehen werden und welche Rolle sie in ihrem Markt spielen wollen. Für diese Unternehmen sind die sozialen Medien ein Geschenk und ein sehr effektvolles Ausdrucksmittel für ihre Persönlichkeit und ihre Kreativität.

Welche „neuen Spielregeln“ wird es zukünftig im Marketing geben?

Dass man sich nicht auf Spielregeln verlassen sollte. Zum Beispiel sind Plattformen wie Facebook, Amazon, Google heute bereits mächtige Gatekeeper. Diese Rolle werden sie weiter ausbauen – auch, weil sie ihre Reichweite verstärkt dafür nutzen, ihre eigenen Produkte zu vermarkten. Menschen werden automatisiert oder mithilfe virtueller Assistenten einkaufen. Welche Produkte und Marken werden Alexa, Google Home & Co. empfehlen? Die Frage „Was wäre wenn …?“ müssen sich Marketing-Verantwortliche viel regelmäßiger und viel ernsthafter stellen.

Was bedeutet für Sie die Jury-Mitgliedschaft bei den Marketing Intelligence & Innovation Awards 2017?

Ich freue mich sehr, wieder dabei zu sein. Das Konzept, die Teams vor der Jury präsentieren zu lassen, anstatt nur anhand ihrer Einreichung zu urteilen, ist wirklich großartig. Das gibt gerade den wenig plakativen Ideen, deren Innovation eher in den Details steckt, eine fairere Chance. Und wir als Juroren lernen auch das eine oder andere dazu.

Welche Marketing-Trends erwarten uns in Zukunft, auf die Sie sich besonders freuen?

Alles rund um das Thema Künstliche Intelligenz und Conversational Interfaces. Noch gibt es eine recht große Lücke zwischen dem, was ich mir als Marketer konzeptionell wünsche, und dem, was die Technologien bereits leisten. Aber ich bin sicher, diese Lücke wird sich schnell schließen. Außerdem gehe ich davon aus, dass sich die Renaissance des Live-Events fortsetzen wird: Echte Menschen, echte Orte, echte Erlebnisse – mit der zentralen Herausforderung, genau das zu liefern, was die Virtuelle Realität bei aller Körperlichkeit des Erlebnisses nicht leisten kann.

Wir freuen uns auf zwei Tage Marketing Management Kongress in Berlin. Zum Schluss noch eine Schätzfrage: Wie oft werden die Stichwörter ‘Content‘ und ‘Collaboration‘ genannt?

Ganz sicher zu häufig in Diskussionen über die richtigen Begriffsdefinitionen. Wichtiger finde ich, dass diese Energie in die strategisch-konzeptionelle Durchdringung der Customer Journeys fließt und in die Frage, wie man sich als Unternehmen so organisieren kann, dass Kommunikation, Produktmanagement, Vertrieb und Customer Service optimal zusammenspielen.

 

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