Wie sieht die Zukunft des Compliance-Managers aus?

Dienstag, 7. November 2017
Interview mit Prof. Dr. Jens Grundei zum 5. Bundeskongress Compliance Management

Herr Prof. Dr. Grundei, in Kürze findet in Berlin der 5. Bundeskongress Compliance Management statt, auf dem Sie die von Ihnen, Elisa Lopper und Prof. Dr. René Seidenglanz verfasste Compliance-Berufsfeldstudie vorstellen werden. Was war für Sie das interessanteste Ergebnis der diesjährigen Studie in diesem Berufsfeld?

Ich möchte zwei Dinge hervorheben: Zum einen wird gemeinhin angenommen, dass mit der zunehmenden Verrechtlichung der Unternehmensführung die Bedeutung der Funktion Compliance besonders hoch sein sollte. Ähnlich wie im letzten Jahr finden wir jedoch, dass dem keineswegs so ist. Im letzten Jahr landete die Funktion bei einer CEO-Befragung sogar auf dem letzten Platz der strategischen Bedeutung. Aus der diesjährigen Studie ist insofern ähnlich ernüchternd, dass 41% der Compliance-Manager sagen, dass sie Compliance-Ziele im Unternehmen allenfalls teilweise durchsetzen können. Zum anderen antworten uns ein Drittel der Befragten, dass sie gerne den Arbeitgeber wechseln wollen. Immerhin ein Viertel will ganz das Berufsfeld verlassen.

 

Sie haben in diesem Jahr auch eine Berufsfeldstudie ‘PR und Kommunikation‘ durchgeführt – in welchen Punkten sind sich Kommunikatoren und Compliance Manager ähnlich und welche Unterschiede in der Selbsteinschätzung sind auszumachen?

Insgesamt gibt es durchaus einige bemerkenswerte Ähnlichkeiten, etwa bei der Einschätzung der individuellen Arbeitsgestaltung und der Führung. Offenbar spielt in wissensintensiven Bereichen zum Beispiel eine wertschätzende und unterstützende Führung generell eine wichtige Rolle.

 

Sie legen in Ihren Forschungsthemen einen starken Fokus auf Organisations- und Führungsfragen, Strukturen und die Einhaltung von Regeln und Prozessen. Was reizt Sie so an diesen scheinbar starren und „leblosen“ Themen?

Für mich haben diese Themen eine ungebrochene Attraktivität und Aktualität. In der angesprochenen PR-Studie haben wir beispielsweise festgestellt, dass der Einsatz digitaler Tools per se kaum zu nennenswerten Performance-Verbesserungen führt. Der Blick in die Praxis macht einem eigentlich immer wieder aufs Neue klar, dass Performance-Defizite ebenso wie Wettbewerbsvorteile sehr häufig auf diesen schwer fassbaren, aber dennoch ungemein wichtigen Faktoren beruhen. Auch in der vorliegenden Studie zeigte sich, dass zum Beispiel Führung und Teamorganisation ganz bedeutende Faktoren darstellen. Und mal ehrlich: Wer hat nicht einmal die Erfahrung gemacht, dass die Art der Führung in einem Unternehmen sich erheblich auf die Leistungsfähigkeit auswirkt? Oder dass ein Zuviel an formalen Regelungen ebenso wie ein Mangel an organisatorischer Klarheit die Agilität beeinträchtigen kann? Allerdings gibt es hierfür keine einfachen Antworten im Sinne einer einzig richtigen Organisationsform oder eines stets richtigen Führungsstils – und deshalb bleibt es auch spannend, auf diesem Gebiet zu forschen.

 

Auf welche Veranstaltungen freuen Sie sich auf dem Bundeskongress Compliance Management 2017 besonders?

Das Programm ist insgesamt wirklich interessant und vielseitig. Aber unser Beitrag sticht eben ein wenig heraus, weil er kein juristisches Spezialproblem behandelt, sondern Grundfragen des Compliance Managements. Insofern freue ich mich natürlich auch auf das Feedback zu unserer Studie.

 

Weitere Informationen zum 5. Bundeskongress Compliance Management

 

Zur Studie "Führung und Organisation der Compliance" 2017