
Zuerst die Frage, die sich sicherlich die meisten stellen: Warum verzichtet ihr im Titel des neuen Studiengangs auf den etablierten Begriff „Human Resources“?
Wir sehen die Personalfunktion an einem Scheideweg. Als wir 2015 an der Quadriga Hochschule gemeinsam mit Jörg Ritter und Melanie Baier den MBA Leadership & Human Resources entwickelt haben, ging es vor allem darum, das sogenannte Business-Verständnis von HR-ler*innen zu erhöhen. „Die verstehen uns nicht“, war damals die größte Kritik aus Unternehmensbereichen wie dem Produktmanagement oder Vertrieb.
Seitdem hat sich viel getan. Der Veränderungsdruck für Organisationen hat nochmal zugenommen, auch die Personalfunktion hat sich enorm entwickelt – und doch fehlt es ihr oft an Gestaltungsspielraum. Dabei sind gerade Personaler*innen prädestiniert dafür, Menschen bei Veränderungen zu begleiten, diese auch aktiv zu fördern und zugleich die strukturellen Rahmenbedingungen der Organisation im Auge zu behalten.
Jetzt gilt es, diesen Gestaltungsanspruch zu untermauern. Dazu brauchen Personaler*innen neben dem Business- und HR-Verständnis explizit auch Kompetenzen im Organization Design. Nur so lassen sich Personal- und Organisationsentwicklung optimal in Einklang mit der Gesamtstrategie bringen. Deswegen gehört es unserer Sicht auch dazu, die Grenzen zu überwinden, die sich der HR-Begriff selbst setzt.
An wen richtet sich der neue MBA Leadership, People & Organization – sind Fach- und Führungskräfte aus „klassischen“ HR-Abteilungen weiterhin angesprochen?
Ja, unbedingt. Natürlich haben wir die Themen umfassend weiterentwickelt, aber gerade die Personal- beziehungsweise Kompetenzentwicklung ist weiterhin zentrales Element des Studiums, ebenso wie das Performance Management oder Themen wie New Work und Data Literacy. Das alles ist im neuen MBA Leadership People & Organization noch enger verzahnt mit der Entwicklung agiler Organisationsprinzipien. Denn wie sagt unser geschätzter Kollege Jens Grundei immer so schön? Es gibt keinen „one best way“ der Organisation.
Also: Ob nun aus der klassischen HR-Abteilung oder der Organisationsentwicklung, der neue Studiengang richtet sich an alle, die den Mut und Willen haben, Transformationsprozesse zu gestalten und dabei Individuen, Teams sowie die Organisation als Ganzes voranbringen wollen. Deswegen bleibt auch das bewährte Leadership-Curriculum bestehen. Dazu gehören Module zu den Kernfunktionen in Unternehmen wie etwa Strategie, Einkauf, Vertrieb, Marketing oder Kommunikation.
Was nehmen die Studierenden außerdem mit aus dem Studiengang?
Unser Kollege Wolfhart Pentz nennt es gerne „Kopf – Herz – Hand“. Das mag wie eine Floskel klingen, dahinter steckt aber viel mehr. Eine strategische Entwicklung von Organisationsprinzipien fordert den Kopf, dabei die Menschen mitzunehmen und ihnen eigene Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen verlangt Herz, und letztlich braucht es die richtigen Tools an der Hand, um Prozesse effizient zu steuern.
Gerade bei den Tools gibt es in den People- & Organization-Themenfeldern ein großes Angebot an neuen, oftmals digitalen Lösungen. Aber wir sehen die digitale Transformation als ganzheitliches und damit in der Funktionslogik gedacht bereichsübergreifendes Thema. Aus diesem Grund ist die digitale Transformation expliziter Inhalt in allen acht Modulen.
Wie werden Themen und Methoden rund um die digitale Transformation vermittelt?
Wichtig ist uns, nicht nur innerhalb des MBA-Curriculums zu denken, sondern auch das Lernen aus realen Prozessen der digitalen Transformation zu ermöglichen. Deswegen wird das Studium durch den Austausch mit herausragenden Persönlichkeiten der Berufsfelder ergänzt, beispielsweise in Form von Kaminabenden.
Hier sind wir sehr stolz auf unseren renommierten Beirat, der bei uns seit mehr als fünf Jahren eine sehr aktive Rolle einnimmt. Zum einen bei der Weiterentwicklung des Studiengangs, aber eben auch im direkten Austausch mit den Studierenden, wie man es unter anderem beim vergangenen Studienstart gesehen hat, als Katharina Herrmann zu Gast war.
Zu deiner Person: Du übernimmst nach langjähriger Lehrtätigkeit an der Quadriga Hochschule nun eine Professur. Welche Ziele hast du dir gesetzt?
Wir arbeiten hier in einem wunderbaren, starken Team, mit dem wir diesen MBA in den nächsten Jahren weiterentwickeln wollen. Damit leisten wir als Business School einen relevanten Beitrag zur weiteren Transformation der heutigen HR-Funktion in eine strategie-, geschäfts- und digitalfokussierte People & Organization Community. Oder einfacher ausgedrückt: Wir arbeiten mit Freude an einem sinnstiftenden und erfolgsfördernden Beitrag.
Zur Person
Dr. René Sadowski ist seit 2021 Professor für Entrepreneurship & Organizational Behavior an der Quadriga Hochschule Berlin. Zudem ist er seit rund 15 Jahren bei Egon Zehnder tätig, insbesondere mit dem Fokus auf People & Organization und Family Business Advisory. Seine Schwerpunkte liegen in den Themenfeldern werte- und strategiekonforme Organisationsentwicklung, Leadership Succession und Innovation.
Mehr zu seiner Person erfahren Sie auf dem Quadriga-Profil sowie bei LinkedIn >>>
Die Berufsfeldstudie „People & Organization“
Gemeinsam mit dem Bundesverband der Personalmanager (BPM) hat die Quadriga Hochschule im Februar 2021 die neue Berufsfeldstudie veröffentlicht, die erstmals den neuen Titel „People & Organization“ statt des „Personalmanagements“ trägt. Im Forschungsbereich der Website kann die Studie zum Download angefordert werden.








